Twitter-Tools von NRO

Twitter ist ein schnelles Medium. Es ist keine Nebensache Stimmungen im Blick zu behalten, Follower in Kampagnen einzubinden und Netzdiskusionen zu lenken. 96 der 100 größten Markenunternehmen nutzen nach einer Untersuchung von Pingdom aus dem Grund Hilfsprogramme. Auch für Kampagnen sind Tools kaum verzichtbar: Von 71 untersuchten Nicht-Regierungsorganisationen (NRO) nutzen 54% Twitter-Tools.

Greenpeace Urwaldpostamt

Das Greenpeace Urwaldpostamt sendete per TweetDeck Nachrichten in der Twitter-Sphäre von Rio. Quelle: http://cnn-ecosphere.com

In Deutschland nutzen schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen Twitter. In Verhältnis zu Facebook (22 Millionen Nutzer) finden NRO bei Twitter wohl häufiger Multiplikatoren und Kreativeschaffende. Die Transparenz und Öffentlichkeit von dem Netzwerk Twitter (Profile sind öffentlich, Hashtags eröffnen Chats zwischen Fremden, etc) sind nützlich für Kampagnenbewegungen im Netz. Neben 350.org, die zur Konferenz in Rio eine Twitterdemo organisierten, gab es 2012 zahlreiche Aktionen deutscher Organisationen (ausgestrahlt, Greenpeace Urwaldpostamt, WWF oder Greenpeace Deutschland).

Unternehmen nutzen Twitter-Tools zum beobachten von Debatten und managen ihrer Tweets. Nach einer Untersuchung von Pingdom greifen 96 der 100 größten Markenunternehmen auf Hilfsmittel zurück. Am häufigsten nutzen Unternehmen den kostenpflichtigen Dienst HootSuite, der neben Twitter die Verwaltung weiterer Netzwerke ermöglicht. An zweiter Stelle liegt die kostenlosen Software TweetDeck.

Twitter-Tools von NRO

Twitter-Tools von NRO: Wie Unternehmen ist bei NRO HootSuit das beliebteste Twitter-Tool, gefolgt von TweetDeck. Grafik: Hanno Groth

Unter NRO ist die Nutzung von Tools weniger verbreitet: 54% verwenden Hilfsprogramme. Am beliebtesten ist ebenfalls HootSuit (29%), gefolgt von TweetDeck (20%). Andere Programme spielen eine marginale Rolle. Von den 42 untersuchten Greenpeace-Ländergruppen nutzt die Hälfte Twitter-Tools. Die beliebtesten Anwendungen:

  1. Web (46%): 2aid, Aktion Mensch, ausgestrahlt, Avaaz, BUND, Campact, CARE (D), Greenpeace (D, BE, I, LUX, CZ, PL, PT, NZ, USA, N, GR, RI, J, ROK, RP, TR, RUS, ES, SE, CH, Taiwan), Klimaallianz, NABU, Transparency (D), SOS-Kinderdörfer, Welthungerhilfe
  2. HootSuite (29%): Amnesty (Int., D, Ostasien), Ärzte ohne Grenzen, Foodwatch, Greenpeace (HU, NL, UK, CL, CA, HL, IL, MEX, TH, SK), ONE (Int., D), Oxfam, PETA (D), Transparency, WWF
  3. TweetDeck (20%): 350.org, Friends of the Earth, Greenpeace (Int., F, AT, EU, DK, RA, AUS, CO, IND), Oxfam (D), Sozialhelden, WWF (D)
  4. Sonstige (5%): Attac, Greenpeace (BR, Afrika), Medico International
Follower von Foodwatch, Greenpeace und WWF Deutschland

NRO mit den meisten Follower in Deutschland: Greenpeace (grün), WWF (lila) und Foodwatch (rot). Während der Katastrophe in Fukushima im Frühjahr 2011 stieg die Anzahl der Follower von Greenpeace steil an. Quelle: http://monitor.wildfireapp.com

Ein linearer Zusammenhang zwischen verwendeten Tools und Anzahl der Follower besteht nicht. Technik alleine ersetzt weder Inhalte, noch strategische Kommunikation. Zumal die Bedeutung von NRO häufig durch externe Ereignisse bestimmt wird: Nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima interessierten sich viele Twitterer für die Tweets von Greenpeace. Unter den deutschen NRO hat Greenpeace mit einigem Abstand die meisten Follower – 48.000, hinzu kommen 22.000 Follower der Ortsgruppen. Unter NRO ist Greenpeace häufig eine der ersten, denen gefolgt wird. Aber auch kleine Organisationen sind erfolgreich im Netz: Foodwatch hat knapp 16.000 Follower. Die NRO schafft es regelmäßig mit wichtigen Verbraucherthemen in die Medien und beteiligt die Netzgemeinschaft aktiv über Petitionen und Wettbewerbe an Kampagnen.

Noch nutzen verhältnismäßig wenig NRO Twitter-Tools. Internationale Dachorganisationen kommunizieren häufig „professioneller“. Allerdings haben zahlreiche Organisationen dieses Jahr Twitter-Aktionen organisiert. Eine spannende Frage: Welche Erfahrungen haben sie gesammelt, zukünftige Twitter-Kampagnen zu organisieren?

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Der ökologische Fußabdruck und E10

Jedes Jahr geht ein Event reibungsfrei an aktuellen Medien-Themen vorbei: Der Tag der ökologischen Überschuldung. Am 22. August haben wir Menschen die ökologischen Ressourcen verbraucht, die die Natur in diesem Jahr produzieren kann. Gleichzeitig wird öffentlich über E 10 gestritten, weil das – sogar von Autofahrern verschmähte – Manöver der Autolobby nun sogar den Initiatoren zu viel ist. Wagen wir eine Annäherung beider Themen.

Der ökologische Fußabdruck

Der ökologische Fußabdruck stellt unseren ökologischen Verbrauch als Fläche dar. Bild: Maria Pinke

Was ist der ökologische Fußabdruck? Zum einen misst das Bilanzierungstool die Fläche, die es braucht, Konsumgüter für eine Person oder Nation aus natürlichen Ressourcen herzustellen. Der Clou: Auch Abfälle und Emissionen brauchen eine Fläche (in der Größe sie zu kompensieren, z.B. Wald für CO2). Das Konzept stellt damit die wichtige Prämisse auf, dass Fläche unabhängig von Ländergrenzen ein begrenztes, also schützenswertes Gut ist. Unsere Entscheidungen werden anders bewertet: Dem CO2-Fußabdruck ist es egal, ob eine Solaranlage auf einem Haus oder dem Acker daneben steht – dem ökologischen Fußabdruck nicht. Er honoriert effiziente Flächennutzung: Von Tiefgaragen in Städten bis Zwischenfruchtanbau auf dem Land.

Das Konzept unterscheidet zudem die biologischen Wertigkeit einer Fläche: Eine Solaranlage verbraucht in der Wüste keine (ökologische) Fläche, auf Ackerland ist der Fußabdruck hingegen größer als ihre geographischer Flächenverbrauch. Damit warnt das Konzept Entscheidungsträger Energiewende und Ernährungssicherheit gegeneinander auszuspielen – Energieerzeugung gehört nicht auf den Acker! Die folgenden Fragen stellt der ökologische Fußabdruck zu E10:

  • Gibt es andere Mobilitätsformen, die einen geringeren Fußabdruck haben als Autos?
  • Wurde alles technisch Mögliche getan, den Spritverbrauch von Fahrzeugen zu senken?
  • Wie lassen sich Flächen als CO2-Senken optimieren?
  • Welche Pflanzen kompensieren – über ihren Lebenszyklus – am meisten CO2?

Es braucht wenig Phantasie, festzustellen, dass Agrartreibstoffe nur in einem sehr eingeschränkten Blickfeld als prioritäre Klimaschutzmaßnahme erscheinen. Die Effizienz von Pflanzen Solarenergie zu speichern liegt weit unter 5% (das toppen die ältesten Solaranlagen). Das Abrüsten von Fahrzeugen, die Förderung von öffentlichen Verkehrsmitteln, das Importverbot von Rohstoffen aus Urwaldabholzung, die Förderung erneuerbarer Energien oder die Bewaldung von Freiflächen bringt dem Klima mehr und kostet weniger als E10.

Falsche Biomassenpolitik heizt den Klimawandel an, statt den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken. Bereits kleine Beimengen an Rohstoffen aus Urwaldzerstörung können den ökologischen Fußabdruck von Treibstoffen vervielfachen.

Dem ökologischen Fußabdruck ist die Standortfrage in der Konkurrenzdiskussion Hunger  vs. Klimaschutz formal egal. Zwar mag es stimmen, dass der Anbau von Lebensmitteln in Europa nicht durch einen geringen Anbau von Agrartreibstoffen gefährdet wird. Jedoch gibt es neben Lebensmitteln und Energiepflanzen weitere Umweltleistungen (ecosystem services), die wir mit unseren gesellschaftlichen Zielen und Wertvorstellungen in Einklang bringen müssen. Bei der Diskussion sollte man wissen: Für einige Umweltgüter gibt es keine funktionierenden Märkte. Kostenfrei nutzen wir die CO2-Senken anderer Länder, weil sich Treibhausgase nicht an geographische Grenzregelungen halten.

Trittbrettfahrertum widerspricht fundamental unserem Gerechtigkeitssinn für Nutzung zu zahlen. Warum nutzen wir unsere Äcker nicht, um effizient unsere ökologischen Schulden zu begrenzen? Statt sie großzügig dem Greenwashing der Autolobby freizuräumen. Der ökologische Fußabdruck eines Deutschen beträgt knapp das dreifache der weltweit nachhaltig verfügbaren Fläche pro Person. E10 fahren wir auf Kosten unserer Zukunft.

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Die Hälfte des Himmels

Frauen tragen die Hälfte des Himmels ist ein chinesisches Sprichwort. In vielen Gesellschaften haben Frauen immer noch nicht annähernd eine gleiche Stellung wie Männer – im Gegenteil. Nicholas D. Kristof und Sheryl WuDunn berichten in ihrem Buch, was Frauen auf unserer Erde erleiden müssen und welche Hoffnung sie für eine bessere Zukunft tragen.


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Sexhandel, Zwangsprostitution, Müttersterblichkeit und Gewalt gegen das weibliche Geschlecht sind die Themen, über die die Journalisten der New York Times berichten. Sie erzählen Geschichten von Frauen, die ihr vorbestimmtes Schicksal nicht hinnehmen wollen und beschließen für ein anderes, besseres Leben für sich und andere zu kämpfen.

Eine dieser Frauen ist Usha (28), eine der wenig gebildete Frauen im Slum von Kasturba Nagar in Indien. Wegen ihrer Bildung lange verschont, gerät sie in Konflikt mit dem Gangsterboss Akku Yadav – nachdem sie ihn wegen Vergewaltigung eines Mädchens angezeigt hat. Yadav terrorisiert die Gegend seit 15 Jahren mit Gewalt, vergewaltigt, raubt, foltert, mordet. Um nicht selbst von der Gang Yadavs umgebracht zu werden, muss Usha sich in ihrem Haus verbarrikadieren. Einer Vergewaltigung hatte sie sich zuvor widersetzt. Sie wehrt sich so lautstark gegen die Belagerung, dass andere Slumbewohner – beschämt und ermutigt – zu Hilfe kommen und die Gangster verjagen. Seitdem schützen die Bewohner Usha und sich gegenseitig.

Frauen sind nicht das Problem, sondern die Lösung. Die Notlage ist nicht nur eine Tragödie, sondern kann ebenso gut eine Chance werden.

Das Buch Die Hälfte des Himmels (www.halftheskymovement.org) gibt Hoffnung und zeigt, wie wenig es braucht, um Frauen zu einer besseren Zukunft zu verhelfen. Um Gesundheit, Ernährung und Bildungschancen für die nächste Generation von Frauen zu verbessern und die Wirtschaftsproduktivität allgemein zu steigern. Dabei handelt es sich nicht um eine „innere Angelegenheit“ von Gesellschaften in fremden Ländern. Verantwortung – in einer globalisierten Welt – tragen wir alle. Wie einfach es ist zu helfen, möchten wir, in Anlehnung an das Buch, in 10 Schritten zeigen.

Verstellung Die Hälfte des Himmels in Wetzlar

Meine Mutter und ich stellten Die Hälfte des Himmels am 23. August am Labyrinth in Wetzlar vor.

  1. Fassen Sie den Entschluss, es nicht bei Worten zu belassen!
  2. Teilen Sie Ihre Gedanken mit anderen!
  3. Verbreiten Sie das Thema! Verschenken Sie das Buch Die Hälfte des Himmels, reden Sie mit Freunden, schreiben Sie eine Karte oder Email an Verwandte, mobilisieren Sie Freunde über soziale Netzwerke.
  4. Spenden Sie an Projekte! Frauen-Initiativen finden Sie unter www.globalgiving.org (Spenden), www.betterplace.org (Spenden) und www.kiva.org (Mikrokredite). Informieren Sie sich über Projektpartner und entscheiden Sie sich ein Thema zu  fördern: Bildung, Gesundheit oder Existenzgründung.
  5. Sammeln Sie Spenden! Nutzen Sie Geburtstage, Weihnachten, usw. um für Menschen zu sammeln oder zu schenken (z.B. bei Oxfam Unverpackt). Spenden Sie die Flohmarkteinnahmen oder 10% Ihrer Steuerrückzahlungen.
  6. Erzählen Sie Geschichten! Von Ihrem Patenkind oder dem Leben in anderen Welten.
  7. Organisieren Sie Veranstaltungen! Zeigen Sie Frauenfilme (z.B. bei der Globale Mittelhessen), laden Sie Autoren, Frauenrechtsgruppen (z.B. Terre des Femmes) oder Projektinitiatoren ein (z.B. Malaika). Stellen Sie immer sich und Ihr Engagement vor.
  8. Schaffen Sie Öffentlichkeit! Schreiben Sie einen Leserbrief. Schreiben Sie einen Blog. Schreiben Sie eine Presseerklärung. Gestalten Sie einen Flyer oder ein Poster.
  9. Vernetzen Sie!  Regen Sie Auslandspraktika in Jugendeinrichtungen an. Schreiben Sie Organisationen im Ausland. Bauen Sie Partnerschaften als Brücken: Zwischen einem Fußballclub in Gießen und in Ruanda, einer Schule in Wetzlar und in Peru.
  10. Überzeugen Sie jedes Jahr eine Person (nur eine!) es nicht bei Worten zu belassen!

Niemand kann die Welt alleine retten. Wir hoffen aber, dass diese Hinweise helfen, den ersten Schritt zu machen.

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