Hilfe für Wildtiere in Not

Was gibt es schöneres, als morgens beim Blick aus dem Fenster die atemberaubende Akrobatik der Eichhörnchen zu bestaunen? Oder das lebhafte Gezwitscher verschiedenster Vögel, das den Frühling ankündigt? Doch das Zusammenleben von Wildtieren und Menschen geht nicht immer gut. Wildtiere können aus ganz unterschiedlichen Gründen in Not geraten. Die Wildtierstation Hamburg hilft.
Immer häufiger sind die Gefahrenquellen für die Tiere menschengemacht. Für Vögel sind zum Beispiel stehen gelassene Stacheldrahtzäune eine Bedrohung, in denen sich die Tiere verfangen und verenden, wenn niemand sie findet. Bei Heckenpflege- oder Baumfällarbeiten werden Nester und Kobel zerstört. Autobahnen verinseln den Lebensraum vieler Tiere und werden zu unüberwindbaren Gefahr.
„Menschengemachte Gefahren lauern an vielen Ecken und es ist unsere Pflicht, diesen notleidenden Tieren zu helfen“, sagt Timo Leuchtenberger, der als Tierpfleger für die Wildtierstation Hamburg arbeitet. Die verletzten oder verwaisten Tiere werden gesund gepflegt und gepäppelt. Bis der große Tag da ist, an dem die Schützlinge wieder in die Freiheit entlassen werden. Denn die Auswilderung ist immer das oberste Ziel der Wildtierfreunde.

Bartkauz

Bartkauz

Die Station hat das Gelände 2012 in Sparrieshoop bezogen und wildtiertauglich renoviert. Gepflegt werden beispielsweise Vögel wie Eulen, Greifvögel oder Störche und Säugetiere wie Eichhörnchen, Rehe, Mader, Füchse oder Feldhasen. Christian und Katharina Erdmann leiten die Station und blicken auf mehr als 25 Jahre Wildtiererfahrung zurück. Unterstützt werden sie von zwei Auszubildenden, einer FÖJlerin und einer Bundesfreiwilligendienstlerin. Jährlich versorgt das Team zirka 1.000 Wildtiere. Seit 2014 gibt es eine Dependance im Franziskus-Tierheim in Hamburg-Stellingen. „Die neue Station im Franziskus-Tierheim ist eine echte Erleichterung, weil sie sehr zentral gelegen ist. Die Leute bringen die Tiere eher zum Franziskus-Tierheim, als wenn sie bis nach Elmshorn fahren müssen“, freut sich Leuchtenberger.

Was tun, wenn ich ein Wildtier finde?

Zunächst gilt genau hinzuschauen. Oft werden Jungtiere von eifrigen Helfern eingesammelt, obwohl die Mutter nur auf Nahrungssuche ist und das Jungtier keineswegs verlassen hat. Feldhasen zum Beispiel werden nur wenige Male am Tag von der Mutter versorgt, die restliche Zeit ist das Junge allein. Wenn das Tier unverletzt ist, sollte man abwarten und beobachten. Notfall-Tipps für die Rettung von notleidenden Wildtieren gibt es auf der Seite der Wildtierstation. Wenn man sich unsicher ist, kann man in der Station anrufen und sich beraten lassen.

Neben der Pflege der Tiere ist es den Mitarbeitern der Station ein großes Anliegen, ihr Wissen weiter zu geben. Menschen, die in der Stadt leben, haben oft jegliches Gespür für die Natur und die heimischen Wildtiere verloren. „Damit die Leute jungen Vögeln keine Milch geben, halten wir Vorträge und versuchen die Menschen für das Thema zu sensibilisieren“, sagt Christian Erdmann bei einem Vortragsabend in der Tierschutzstiftung Vier Pfoten, die die Wildtierstation regelmäßig finanziell unterstützt. Besuche in Schulen sind ihm dabei besonders wichtig, es gilt schließlich die (Wild-)Tierschützer von morgen auszubilden.

Die Waldohreule ist eine der häufigsten Eulenarten in Deutschland.

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Reinecke Fuchs lebt immer häufiger in Städten - der Allesfresser nimmt das, was die Menschen übrig lassen.

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Ca. 6-Wochen alte Turmfalken. Ihr wissenschaftlicher Name 'tinnunculus' bedeutet so viel wie klingend und spielt auf ihren charakteristischen Ruf an.

Ca. 6-Wochen alte Turmfalken. Ihr wissenschaftlicher Name ‚tinnunculus‘ bedeutet so viel wie klingend und spielt auf ihren charakteristischen Ruf an.

Stacheldrahtzäume können zur tödlichen Gefahr für Wildtiere werden, wenn sie nicht rechtzeitigen gefunden werden. Dieser Uhu hatte Glück.

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Der Feldhase steht in Deutschland auf der Liste der gefährdeten Arten.

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Fehlalarm: Die Gans war doch nicht festgefroren, sondern spazierte bei Ankunft der Wildtierfreunde lässig übers Eis davon...

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Beim Bau neuer Gehege und Anlagen - wie diese See- und Wiesenvogelvoliere - kann sich die Wildtierstation über zahlreiche Helfer freuen.

Beim Bau neuer Gehege und Anlagen – wie diese See- und Wiesenvogelvoliere – kann sich die Wildtierstation über zahlreiche Helfer freuen.

Dieser Storch konnte mit zwei gebrochenen Beinen nur noch vom Tierarzt erlöst werden. Auch diese traurigen Momente gehören zur Arbeit der Wildtierschützer dazu.

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Der Waldkauz ist ein Höhlenbrüter und damit auf Baumhöhlen, Mauerlöcher oder spezielle Nistkästen angewiesen.

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Man hält sich fit!

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Dieser Igel durfte die Erdmanns zu einem Schulvortrag begleiten - und rief ehrfürchtiges Staunen bei den Zweitlässlern hervor.

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Für diesen Kandidaten ist der Aufenthalt bei den Erdmann zu Ende: Der große Augenblick der Auswilderung ist gekommen.

Für diesen Kandidaten ist der Aufenthalt bei den Erdmann zu Ende: Der große Augenblick der Auswilderung ist gekommen.

Was kann ich tun, um die Arbeit der Station zu unterstützen? Die Wildtierstation erhält keine öffentlichen Gelder und finanziert sich allein durch Spenden. Mit direkten oder indirekten Spenden, Sachspenden oder Patenschaften kann jeder etwas für die notleidenden Tiere tun. WildtierfreundInnen bekommen eine Wildtierfreund-Urkunde und werden zwei mal im Jahr in die Station zum Wildtierfreunde-Treffen eingeladen. Anregungen bietet auch die Amazon-Wunschliste. Doch auch die Hilfe vieler Ehrenamtlicher ist ein unersetzlicher Bestandteil der Arbeit in der Wildtierstation.
Aber auch im Alltag kann man sich für das Wohl der Fellnasen und Federkleidchen einsetzen. Wer zum Beispiel einen Garten besitzt, tut vielen Wildtieren ein Gefallen, wenn ein Teil des Gartens ein bisschen verwildert bleibt. Dazu können Laub- und Reisighaufen oder eine ungemähte Wiese gehören. Auch Nisthilfen oder Insektenhotels bieten den Tieren Schutz.

http://www.wildtierstation-hamburg.de/
Telefonnummern: 04121/4501939
0157/52585624 (Station im Franziskus-Tierheim)
Spendenkonto bei der Hamburger Volksbank:
Kontonummer: 600 389 00, BLZ: 201 900 03
IBAN DE23 2019 0003 0060 0389 00,
BIC GENODEF 1HH2
Inhaberin: Wildtier- und Artenschutzzentrum

 

Übrigens: Die nächste Führung über das Gelände der Station findet am 18.10. statt. Teilnahme nach Anmeldung unter neeb@wildtierstation-hamburg.de

Fotos mit freundlicher Genehmigung der Wildtierstation.

Eileen Wolf

Eileen Wolf

Eileen Wolf studiert Deutsche Sprache und Literatur und Psychologie an der Universität Hamburg und ist seit 2008 ehrenamtlich bei Greenpeace aktiv.
Eileen Wolf

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