Wo ist weg? Müll auf der Spur

Publiziert am 12. August 2015 von

Mit Technik können wir die Wege unseres Abfalls dokumentieren und zeigen, wie unsere Entsorgung funktioniert, um Missstände aufzudecken, effektiver Verwertungssysteme politisch einzufordern und Produktdesign sowie ihre Nutzung in unserer Konsumgesellschaft zu hinterfragen.

„Wir wissen alles darüber, wo Produkte herkommen, aber nichts darüber wo sie hingehen.“ sagte Carlo Ratti vom Sensible City Lab auf der republica 2015. Zwar haben viele sicher schon einmal erschütternde Bilder wie die zu Agbogbloshie: the world’s largest e-waste dump – in pictures von Fotograf Kevin McElvaney gesehen. Welchen Weg Kleidung, Elektronik oder andere aus unserem Bewusstsein verdrängte Konsumprodukte nehmen, wissen wir im Allgemeinen nicht.

Zurück ins Bewusstsein dachte sich das Sensible City Lab! Um unseren Müll auf die Schliche zu kommen, versahen die Forscher vom MIT 2009 für das Projekt Trash Track 3.000 Müllartikel je mit einem GPS-Sender. Verschiedene Mülltypen wurden auf die Reise geschickt: Elektronik, Glas, Metall, Bioabfall, Papier, Plastik, Leder, Textilien und Chemie. Alle Artikel wurden in Seattle entsorgt. Dennoch waren ihre Wege zum Teil sehr unterschiedlich und verteilten sich fast über die gesamte USA: Insbesondere Elektronik und gefährliche Stoffe wanderten weit durch die USA. Ihr Handel lohnt sich offensichtlich.

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Transparenz ist die Grundlage für politischen Druck. Seiten wie Sourcemap visualisieren Produktions- und Verwertungsprozesse. Bisher gibt es wenige Hersteller, die, wie Fairphone, ihre Produktionsprozesse veröffentlichen. Sicher auch, weil es kaum öffentlichen Druck oder selten das Interesse von Kunden gibt, zu wissen, wo Produkte herkommen und wohin sie gehen.

Projekte wie Trash Track helfen uns besser zu verstehen, was mit unseren Dingen passiert, wenn wir sie schon längst vergessen haben. Transparenz ist allerdings nur der erste Schritt. Transparenz ermöglicht Einblicke in das verborgene Leben vor und nach dem kurzen Leben unserer Konsumprodukte. Durch mehr Transparenz lässt sich politischer Druck aufbauen, Missstände zu ändern. Auch Verbraucher werden dann stärker für ihre Entscheidungen in der Verantwortung stehen.

Hanno Groth

Hanno Groth

Hanno Groth schreibt für Gradmesser über Kommunikation in der Netzwelt, Geschichten aus der Zukunft und den Wandel in unserer Gesellschaft.
Hanno Groth