Korallenschutz mit 3D-Technik?

Publiziert am 15. Mai 2015 von

Korallenriffe sind in einem dramatischen Zustand. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten sie zerstört sein. Mit 3D-Technik möchte Hydrous den Verlust visualisieren.

Die Folgen von Überfischung, Industrie und Klimawandel haben wenig von der Vielfalt hinterlassen, die die Ozeane einst boten und es wird mehr Anstrengung als bisher benötigen den Rest zu bewahren. Jedes Jahr steigt die Oberflächentemperatur des Meeres um ein Prozent und seit Anfang der Industrialisierung stieg die Versäuerung der Meere um 30 Prozent. 25 Prozent des Lebens im Meer ist von Korallenriffen abhängig, ökonomisch entspricht das einer Leistung von 375 Milliarden US-Dollar pro Jahr. In nur wenigen Jahrzehnten könnten wir zerstört haben, was 20 Millionen Jahr fast unberührt bleiben konnte.

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„Es ist verrückt, wie sehr wir unserer Zeit hinterher sind”, sagt Sly Lee in Wired. Lee hat als Biologe für den US National Park Service gearbeitet und die NPO the Hydrous gegründet, die ihre Arbeit auf die Kommunikation von Wissenschaft fokussiert. „Wir können die Genome von Korallen entschlüsseln, aber wir können nicht die Geschwindigkeit messen, mit der Korallen degradieren.“

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The Hydrous ist ein Zusammenschluss aus Grafikdesignern, Biologen und Fotografen, die Wissenschaft schön kommunizieren wollen. Die dringendsten Meeresprobleme sollen mit moderner Technologie visualisiert und erlebbar gemacht werden. Die Ergebnisse ihrer Arbeit werden allen zur Verfügung gestellt.

Um die Korallen aufzuzeichnen schoss Lee im Dezember 2014 auf den Malediven mit einer Unterwasserkamera fast 200.000 Bilder von Riffen aus allen Winkeln und diese mit der Software Autodesk zu 18 3D-Modellen zusammengesetzt. Im Laufe des Jahres will Lee wiederkommen und die Auswirkungen des El Niño mit einer zweiten Aufnahmeserie dokumentieren. Wenn sich die Software weiter verbreitet könnte aus dem Pilot- ein Crowd Sourcing-Projekt werden. Taucher rund um die Welt könnten mit ihren Fotos die Degradierung von Korallen festhalten. So könnte ein Katalog der Riffe entstehen.

 

 

Das Projekt ist ein gutes Beispiel, wie moderne Technik Wissenschaft erlebbar machen kann. Die Modelle können in 3D gedruckt werden. Zwei Fragen bleiben: Gelingt der Crowd Sourcing-Ansatz? Nur dann wird das Projekt relevant. Wie dienen die Ergebnisse dem aktiven Umweltschutz? Wissenschaft muss eine aktive Rolle im Schutz der Meere einnehmen. Die Lage der Meere ist zu dramatisch.

Hanno Groth

Hanno Groth

Hanno Groth schreibt für Gradmesser über Kommunikation in der Netzwelt, Geschichten aus der Zukunft und den Wandel in unserer Gesellschaft.
Hanno Groth

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