12 inspirierende Projektionen

Publiziert am 9. März 2015 von

Abends wenn es dunkel wird, vergraut die Welt um uns. Die dunklen Fassaden lassen sich in neuem Licht zu Leben erwecken. In diesem Beitrag habe ich Beispiele für inspirierende Projektionen gesammelt. Ich hoffe, dass die Kollektion euch die Vielfalt der Möglichkeiten zeigt und zu kreativen Ideen ermutigt.

Die aufgeführten Projektionen haben etwas gemeinsam: Sie gehen individuell auf ihre Projektionsfläche ein. Einige laden Menschen ein, aktiv mitzugestalten. Andere reagieren präzise auf Bewegung von Gegenständen oder Menschen. Auch wenn Projektionen im Marketing oder zur politischen Kommunikation von Organisationen eingesetzt werden, wurden viele der schönsten Projektionen als Kunstinstallation erschaffen. Einige Programme sind als Open Source verfügbar.

 1. Wald erweckt zum Leben

Die Künstler Friedrich van Schoor und Tarek Mawad erwecken mit ihrem Projekt Bioluminescent Forest die Schönheit des Waldes zum Leben. Sechs Wochen lang verbrachten die beiden Draußen, um der Natur Persönlichkeit zu verschaffen. Bäume verwandeln sich, Pilze leuchten in einem magischen Licht. Inspiration lieferten Tiefseetiere wie die Aequorea victoria, die tatsächlich die Fähigkeit besitzen, im Dunkel zu leuchten (fluoreszieren). Der finale Film wurde von dem Berliner Künstler Achim Treu komponiert. Wen die Produktion interessiert, findet hier ein Making of oder weitere Projekte auf Vimeo.

Quelle: www.bioluminescent-forest.com

Quelle: www.bioluminescent-forest.com

2. Materie, Körper und Bewegung

Das Tänzer-Duo Adrien M / Claire B nutzt Projektionen für eine experimentelle Gestaltung von Räumlichkeit. Es ist erstaunlich, welchen Tiefe und Bewegung Licht im Zusammenspiel mit Tänzern entwickeln kann. Im Beispiel Pixel erschaffen 11 Tänzer ein Stück aus „Energie und Poesie, Fiktion und Technik, Hip Hop und Zirkus“.

Realisiert werden die Performance-Projekte mit dem für OS X entwickelten Programm eMotion, mit dem sich die Interaktion zwischen Objekten und Informationen animieren lassen. Adrien M / Claire B haben die Software entwickelt, um eine Choreographie aus der Beziehung virtueller Elemente und der realen Welt zu schaffen. Materie, Körper und Bewegung sollen eine Einheit ergeben – eine Synthese eingehen. Das Programm ist frei verfügbar und wurde aus einer Studie der Jonglage entwickelt.

3. Tokio: Eine Stadt als Symphonie

Mit einer speziellen 3D-Projektionstechnik und einem Miniatur-Modell von Tokio im Maßstab 1:1000 entsteht ein besonderes Erlebnis der größten Stadt der Welt. Die Idee ist, Besuchern von www.tokyocitysymphony.com Vitalität, Vielfalt und die unzähligen Möglichkeiten von Tokio zu vermitteln. Zum Einstieg kann ein Besucher ein Thema wählen: Future City, Rock City oder Edo City (ein traditionelle Japanisches Lied). Anschließend kann man per Keyboard selbst musizieren – die Melodie wird durch die Projektion-Aufnahmen visualisiert. Zugegeben es ist nicht leicht eine klangvolle Komposition zu erstellen. Dennoch laden die Lichtspiele zum Experimentieren ein und es entsteht ein einzigartiges Erlebnis der Stadt. Jeder kann seinen eigenen Tokio-Groove erstellen. Ein Making of gibt es hier.

4. Perfektion mit Robotern

Im Zusammenspiel von Kameraführung, Projektion, Raumlicht und zwei von Robotern bewegten Projektionsflächen ließ die kleine Firma Bot & Dolly die einzigartige Performance Box entstehen. Über 8 Millionen Menschen haben das Projekt bei Vimeo und Youtube bestaunt. “We’re a culture of makers, of creators with open minds,” erklärte Tobias Kinnebrew, Leiter für Produktstrategien bei Bot & Dolly Bloomberg Business. „We work on things that don’t seem possible and try to make them possible.“ Bot & Dolly wurde von Jeff Linnell und Randy Stowell als Nebenprojekt der Videoproduktionsfirma Autofuss in Leben gerufen und 2013 für eine unbekannte Summe von Google gekauft. Das 20-Mitarbeiter-Unternehmen hat unter anderem den Film Gravity mitproduziert und die atemberaubenden, schwerelosen Szenen ermöglicht. Vor allem eines haben die Produzenten perfektioniert: Timing.

5. Kunst zeigt Emotionen

Das Japanische Unternehmen NTT Japan hat eine Projektionstechnik entwickelt, die Gemälde und andere 2D-Bilder in Bewegung versetzt. Die Technik wird HenGenTou genannt, was soviel heißt wie “Verformungslampen”. Durch die Projektion eines Grauschleiers auf ein Objekt, wird der Eindruck von Bewegung erweckt. Mehr zu der Technik, findet sich hier zum nachlesen.

6. Bäume erzählen alte Geschichten

Für das Art & About Festival 2012 hat der Australische Künstler Craig Walsh mit dem Australian Museum eine Serie von Gesichtern auf Bäume im Hyde Park South in Sydney projiziert. Für das Projekt Emergence hat Walsh die Gesichter vorher aufgezeichnet. In anderen Arbeiten hat der Künstler ebenfalls öffentliche Räume als Projektionsfläche verwendet. Damit möchte er Geschichte an Orte bringen, die normalerweise mit ihr nicht in Verbindung gebracht wird: „Every landscape hides countless untold stories. As night descends on Hyde Park South, the trees are illuminated as faces emerge from the leaves and branches. The effect is haunting.“ In dem Projekt sieht der Künstler eine neue Möglichkeit als Museum mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Ein Interview mit Craig Walsh zu Emergence gibt es hier.

7. Raum und Licht

Der Pariser Künstler Joanie Lemercier ist Meisterillusionist im Umgang mit 3D-Kunst und Licht-Installationen. Der Grafikdesigner gründete das Team Antivj, das sich auf audiovisuelle Erlebnisse spezialisiert hat. Eine Projektübersicht von Joanie Lemercier gibt es in seinem Tumblr-Blog.

Das Projekt Light Canvas verbindet eine Serie an Bildern mit einer Projektion, die den Eindruck von Licht und Schatten, und dadurch von Tiefe, erzeugt. Light Canvas 2 wurde das erste Mal 2010 im Grand Palais in Paris ausgestellt.

8. Ein geologischer Sandkasten

Ein kleines Experiment zeigt, wie durch die Kombination aus Projektor, Sandkasten und Sensoren ein interaktives Erlebnis entsteht. Dieses wie andere experimentelle Projekte nutzen die Xbox Kinect (ausgestattet mit PrimeSense-Tiefensensor, 3D-Mikrofon, Farbkamera und Analyse-Software), um mit der Veränderung von Umgebung und der Bewegung von Menschen das Projektionsmotiv anzupassen.

Forscher von UC Davis haben dieses Projekt ins Leben gerufen und mit Anleitung und kostenfreier Software online gestellt. Weitere Bilder zu dem Projekt gibt es hier.

9. Türen zwischen Welten

Das französische Bahnunternehmen SNCF verband mit dem Projekt Europe. It’s Just Next Door die europäische Städte Mailand, Paris, Brüssel, Barcelona, Genf und Stuttgart durch Türen. Beim Öffnen einer Tür begegnen Menschen Menschen in anderen Städten, auf einem lebensgroßen Display projiziert.

SNCF hat das Projekt mit der Agentur TBWAParis umgesetzt. Es gibt einige Projekte dieser Art: Passanten werden mit ungewöhnlichen Begegnung, Spielen oder Ereignissen „überrascht“. Die Inszenierungen sind selten für die Passanten selbst, als vielmehr für die Kameras geplant. Denn viele virale YouTube-Filme bauen auf ein solches Modell: Echte Emotionen wie diese sind für große Unternehmen im Studio mit perfekter Beleuchtung nicht zu schaffen. Coca Cola, T-Mobile, TNT und andere Unternehmen haben Millionen Menschen auf YouTube erreicht.

10. Träumende Häuser

Urban Projection Mapping ist eine kreative Video-Projektionstechnik, die Gebäude mit Licht, Farben und Bewegung neu erwecken. Was wäre, könnten Häuser träumen? Diese Frage versuchten UrbanScreen mit dem Projekt 555 Kubik – auf die Hamburger Kunsthalle projiziert – zu beantworten. Das Projekt gewann 2009 den silbernen Löwen beim Cannes Advertising Festival.

11. Liebe ohne Grenzen

Das jüngste Beispiel für virale urbane Kommunikation ist das Projekt Love Has No Lables. Bereits fünf Tage nach Veröffentlichung wurde das YouTube-Video 37 Millionen Mal angeschaut. Der Erfolg liegt unter anderem daran , dass die allermeisten sich mit der Kernbotschaft vorbehaltlos identifizieren können: „Before anything else, we are all human. It’s time to embrace diversity. Let’s put aside labels in the name of love.“ Schwieriger als das emotionale Einverständnis, ist der Transfer für das Projekt in messbare Ziele. Die Kampagne wurde vom Ad Council erstellt, das sich zum Ziel gesetzt hat: „We identify a select number of significant public issues and stimulate action on those issues through communications programs that make a measurable difference in our society.“

12. Die Glühwürmchen der Zukunft

Das SENSEable City Laboratory gibt einen Ausblick, welche Art von Projektion uns in der Zukunft erwarten könnte. Mit den kleinen, fliegenden Lichtern Flyfire wird die Projektion unabhängig von einer Fläche und kann jede dreidimensionale Form annehmen.

Es gibt viele spannende und kreative Möglichkeiten, Projektionen interaktiv zu gestalten, in der Kommunikation und für Kampagnen einzusetzen. Ich hoffe, dass diese Anregungen zu weiteren spannenden Projektionen führen. Ich freue mich über weitere Hinweise!

Hanno Groth

Hanno Groth

Hanno Groth schreibt für Gradmesser über Kommunikation in der Netzwelt, Geschichten aus der Zukunft und den Wandel in unserer Gesellschaft.
Hanno Groth

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