Klimawandel: Verantwortung für die Zukunft

Auch wenn in Ländern wie China mit ihren boomenden Megacities der Ausstoß von Treibhausgasen steigt – die westlichen Industriestaaten tragen historisch die Verantwortung für den Klimawandel. Eine neue Studie berechnet die Beiträge von Ländern zur Erderwärmung aus den letzten 200 Jahren.

Versuche, die Verantwortung für den Klimawandel zu messen, gibt es viele. Auch Studien mit dem Ziel, die Hauptverursacher des Klimawandels zu benennen, wurden in den vergangenen Jahren einige veröffentlicht. Die Datenerfassung wird immer genauer, die Datenmengen immer größer.

Eine neue Studie zu den nationalen Beiträgen zur beobachteten Klimaerwärmung stammt von einer Gruppe von Forschern um Damon Matthews von der Concordia University in Montreal. Die Wissenschaftler beziffern darin anhand von historischen Emissionsdaten, wie viel die einzelnen Staaten der Welt in den vergangenen 200 Jahren zum Klimawandel beigetragen haben. Es ist der Versuch, die Frage nach der historischen Verantwortung für die globale Erwärmung zu beantworten – und der implizite Versuch, eine Handlungsempfehlung für die Zukunft zu geben. Das meist beachtete Ergebnis der Studie ist eine Rangliste, die den Beitrag einzelner Staaten zur Erderwärmung in Zahlen fasst.

Die Studie berücksichtigt die von Menschen verursachten Klimagase Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan und Stickstoffoxid sowie Schwefel-Schwebstoffe (Aerosole), die bremsend auf die Erwärmung wirken. Dabei fließen sowohl der CO2-Ausstoß durch die Verbrennung fossiler Treibstoffe als auch aus landschaftlicher Nutzung (in erster Linie Abholzung) in die Berechnungen ein. Die Basis der Berechnungen bilden die verfügbaren Daten über den Ausstoß von Treibhausgasen aus den vergangenen 200 Jahren.

Die Forschern ordnen anhand der Emissionsdaten jedem Land den von ihm unmittelbar verursachten Temperaturanstieg zu. Die USA sind Spitzenreiter der Klimawandel-Verursacher, gefolgt von den großflächigen und produktionsstarken Ländern China, Russland, Brasilien und Indien. Deutschland steht an sechster Stelle, Großbritannien an siebter. Diese sieben Staaten haben den Berechnungen nach über 60 Prozent des bisherigen Temperaturanstiegs von 0,8 Grad Celius seit Mitte des 19. Jahrhunderts verursacht. Auffällig ist dabei der große Abstand zwischen den USA und den restlichen Staaten. Neben diesen Zahlen sollte uns „Erste Welt“-Ländern vor allem eines zu denken geben: Unter den unrühmlichen „Top 20“ finden sich einige Entwicklungsländer wohl nur deshalb, weil sie die Rohstoffe und Waren liefern, die uns unseren Lebensstandard sichern. So etwa Indonesien als wichtigster Palmöl-Lieferant und Nigeria als bedeutende Ölförderungsnation.

Nationaler Beitrag zur historischen Klimaerwärmung

Nationaler Beitrag zur historischen Klimaerwärmung

Die Forscher haben nicht nur den Gesamt-Beitrag der Länder zur Erderwärmung berechnet, sondern stellen in einer zweiten Rangliste den nationalen Pro-Kopf-Beitrag dar. Die ersten sieben Plätze sind nun von traditionellen Industriestaaten besetzt; China und Indien, die gemeinsam über ein Drittel der Weltbevölkerung stellen, rutschen an die 19. und 20. Stelle. Der durchschnittliche Beitrag zur Klimaerwärmung liegt derzeit weltweit bei 0,11 Grad Celsius pro einer Milliarde Menschen. Dabei ist der Beitrag von Menschen allerdings sehr unterschiedlich, je nach dem, in welchem Land man geboren ist.

Nationaler Pro-Kopf-Beitrag zum Klimawandel

Nationaler Pro-Kopf-Beitrag zum Klimawandel

Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss: „If we are to have a chance of staying below 2 °C while also addressing fundamentally important issues associated with international equity, it is imperative that developed countries do not allow their greenhouse gas emissions to continue increasing at historical rates, therefore allowing an overall increase in per-capita climate contributions to be driven primarily by less developed countries.“ (H Damon Matthews et al 2014 Environ. Res. Lett. 9 014010, S.4)

Wir, die privilegierten Bewohner der Industrienationen, können es nicht zulassen, dass unsere Treibhausgas-Emissionen weiter ansteigen. Denn um den globalen Temperaturanstieg unter der kritischen Marke von zwei Gras Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu halten, darf der weltweite Treibhausgas-Ausstoß nicht mehr als verdoppeln. Dass genau das aber gerade in den aufstrebenden Industrieländern Asiens, Südamerikas und Afrikas und bei steigender Weltbevölkerung passieren wird, ist mehr als wahrscheinlich. Mit dem Finger auf andere Länder zu zeigen, steht uns nicht zu, im Gegenteil: Wir brauchen ehrgeizige politische Maßnahmen, um die Erderwärmung bei uns zu bremsen. Dass die Abkehr von Klimazielen unter den Industriestaaten derzeit wieder salonfähig zu werden scheint, ist kurzsichtig. Europäer und Amerikaner haben die historische Pflicht, Verantwortung zu übernehmen und ihr Leben klimafreundlich zu gestalten.

Quelle und Bildnachweise: H Damon Matthews, Tanya L Graham, Serge Keverian, Cassandra Lamontagne, Donny Seto and Trevor J Smith „National contributions to observed global warming

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Annika Rieger

Annika Rieger ist Volontärin in der Onlineredaktion von utopia.de, ehemalige Greenpeace-Praktikantin und beschäftigt sich besonders mit Themen rund um Konsum und seine Auswirkungen.

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