Wie geht clevere Aufklärungsarbeit?

Publiziert am 31. Januar 2014 von

„Es tut mir leid, doch ich muss leider gestehen, es gibt Dinge auf der Welt, die sind – leider geil. Autos machen Dreck, Umwelt geht kaputt, doch ’ne fette neue Karre is‘ – leider geil.“

Der Mensch ist bequem, der Mensch ist faul, damit spielt der Text von ‚Deichkind’. Ach, ja stimmt, doch, doch, irgendwie ist mir schon klar, dass die großen Sportartikelhersteller ihre Produkte oft unter ziemlich zweifelhaften Bedingungen herstellen lassen. „Kleine Kinderhände, nähen schöne Schuhe, meine neuen Sneakers sind – leider geil.“ Wissen tun wir das alle, im Hinterkopf sind die Infos abgespeichert, aber der Sprung vom Wissen zum Handeln, der ist auf den ersten Blick mühsam und unsexy. Leuten mit der Moralkeule zu kommen, erhöht die Attraktivität von alternativen Konsumangeboten nicht.

Wie also Aufklärung machen? Wie die Menschen animieren, dass sie ihr passives Wissen über die Folgen ihres Konsumverhaltens in aktives Handeln umsetzen? Das Team von WELTbewusst in Marburg macht einen Stadtrundgang und besucht mit den jeweiligen Gruppen verschiedene Orte, die mit Konsum zu tun haben. Copyshop, Klamottengeschäft und Mülltonnen zum Beispiel.

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Wie so ein Stadtrundgang abläuft, könnt ihr im Radiobeitrag hören (Autorin: Angelika, produziert für Radio Unerhört Marburg).

 

Ich fand es super, wie gut das Konzept des Stadtrundgangs bei der Gruppe ankam: Raus aus dem Vortragsraum oder Klassenzimmer, rein in die Stadt. Nicht von oben herab moralisieren, sondern informieren. Und das Ganze noch interaktiv und mit Überraschungseffekten. Das sind Bestandteile des Stadtrundgangs von WELTbewusst, die sich auch auf andere Projekte übertragen lassen.

DSC07014Die Arbeit von WELTbewusst in Marburg ist aber nicht nur ein gutes Beispiel für Aufklärungsarbeit, die ankommt, sondern auch für gelungene Kooperation von unterschiedlichen Organisationen.

Das relativ kleine Team von WELTbewusst in Marburg schafft es, viel konkrete Arbeit, also viele Stadtrundgänge zu machen – im Jahr 2013 wurden 16 Stadtrundgänge mit 186 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchgeführt. Das klappt, weil das Team bestehende Strukturen nutzt, statt erst einmal mit großem Aufwand neue Organisationsstrukturen aufzubauen und ein eigenes Grundkonzept zu entwickeln. Die Gruppe in Marburg verwendet das Konzept der Mutterorganisation WELTbewusst, die deutschlandweit aktiv ist, setzt aber eigene Akzente, etwa mit der selbstentwickelten Abfall-Station. Die Marburger Gruppen von Weitblick und Weltladen, die beide zu ebenfalls überregional aktiven Organisationen gehören, stellen Räume und Vereinsstrukturen zur Verfügung, beweisen aber Flexibilität und lassen das Team von WELTbewusst ihr eigenes Ding machen.

Internetseite:  Weltbewusst MarburgDie Fotos wurden von WELTbewusst Marburg zur Verfügung gestellt.

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Angelika

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Schreibt über Themen aus Hessen sowie über Religion und Nachhaltigkeit.
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