Nur Fliegen ist schöner

Publiziert am 23. Januar 2014 von

Wir können nicht viel sagen über unsere Vorfahren. Doch eines können wir mit Sicherheit behaupten: Sie haben genauso in den Himmel geschaut wie wir und die Vögel beim Fliegen beobachtet, träumend: Wie wäre das, Fliegen?

Doch die Erfindung der Luftfahrt hat uns – Jahrtausende später – nur bedingt unserem Traum näher gebracht. Isolierte Kapseln frachten uns auf dem Globus von Punkt A zu Punkt B. Wir können das Fliegen nicht spüren, sehen nichts oder wenig. Wir bleiben Frachtgut.

Adlerflug

Nun kommen wir aber der Idee zu Fliegen etwas näher und das klimaverträglich. Die immer kleiner und leichter werdenden Kameras sind der Grund. Jeder Sportler, bei dessen Treiben es im Kern um Geschwindigkeit geht, ist mittlerweile gespickt mit GoPros, kleinen Weitwinkelkameras, die an Rumpf, Helm, Lenker oder Surfbrett befestigt sind. Die besten Shots werden millionenfach bei Youtube aufgerufen.

Die handlichen Kameras können ohne Schwierigkeiten auch von Vögeln transportiert werden. Plötzlich fliegen wir mit ihnen durch die Lüfte, sehen, was sie sehen, fühlen den Wind. Aber nicht nur Adler nehmen uns mit, auch Delfine nehmen uns mit in ihren Schulen. Millionen YouTube-Zuschauer sind beeindruckt. Die Videos vermitteln ein Gefühl von Freiheit. Kein Wunder, dass der Flug des Adlers auf der Startseite der Nachrichtenseite Reddit erschien und der Ausschnitt der BBC Dokumentarfilmer in zahlreichen Blogs zu finden ist. Nur Fliegen ist noch schöner!

Was kommt als nächstes: Begleiten wir Zugvögel live auf ihrer Reise in den Süden? Erleben wir Wolfsrudel bei ihrer Rückkehr in unsere Wälder? Was auch immer wir in Zukunft sehen werden, die Perspektive von Tieren könnte eine tiefere Empathie für bedrohte Arten und das natürliche System Erde schaffen. Könnten ein alter Traum und neue Technik eine sinnreichere Wirkung haben, als Views bei YouTube? Das wäre zu hoffen.

Hanno Groth

Hanno Groth

Hanno Groth schreibt für Gradmesser über Kommunikation in der Netzwelt, Geschichten aus der Zukunft und den Wandel in unserer Gesellschaft.
Hanno Groth