Warum ich in Helsinki Shell stoppen wollte

Publiziert am 9. Juli 2012 von

Gespräch mit Greenpeace-Aktivistin Megan aus Marburg

In der neuen Rubrik Portraits möchten wir Menschen vorstellen, die sich für eine bessere Gesellschaft einsetzen. Wir, das sind Milli und ich (Hanno). Im ersten Portrait stellen wir Megan aus Marburg vor. Sie engagiert sich seit 2011 bei Greenpeace für den Schutz der Meere. Im Mai beteiligte sie sich mit Aktivisten aus 17 Ländern in Helsinki an einer Aktion gegen den von Shell gecharterten Eisbrecher Nordica. Die Nordica ist in Helsinki aufgebrochen, um Shell bei Probeölbohrungen vor Alaska zu unterstützen. Die Aktion war Teil der internationalen Kampagne von Greenpeace zum Schutz der Arktis.

Megan

Megan engagiert sich bei Greenpeace in Marburg für den Schutz der Meere. Foto: Barbara Schmenner

Megan erzählte Milli, warum sie sich an der Aktion beteiligt hat und ihr der Schutz der Arktis am Herzen liegt. Das Interview wurde am 2. Juli in der Sendung Gleis 16 bei Radio Unerhört Marburg gesendet. Die vollständige Audiofassung als Download gibt es im Audioportal Freier Radios. Dieser Blogeintrag ist eine Zusammenfassung.

Milli: Warum ist es problematisch, in der Arktis nach Öl zu bohren?
Megan: Die Arktis ist ein einzigartiges Ökosystem und durch die Klimaerwärmung bereits stark bedroht. Durch diese Erwärmung hat Shell jetzt erstmals die Möglichkeit nach Öl zu bohren; bisher war das Gebiet ganzjährig mit Eis bedeckt. Die Gefahr besteht darin, dass es unmöglich ist, Ölunfälle zu verhindern bzw. ausgetretenes Öl zu reinigen – wegen der klimatisch rauen Bedingungen und der Entlegenheit des Gebietes. Das Einzige was man machen kann, ist mit Eimern, Besen und Schaufeln das Öl wieder einzusammeln. Das wäre das Ende für das Ökosystem. Das Dreiste und Freche von Shell ist, zu sagen, dass es eine super Chance ist. Wenn aber das passiert dann sind das unerfreuliche Konsequenzen, die man in Kauf nehmen muss.

Milli: Du warst bei den Aktionen im Hafen von Helsinki dabei und sogar als „Schwimmerin“ im Wasser. Das ist ja sehr aufwändig, wo du doch in Marburg wohnst. Was hat Dich motiviert, das alles auf dich zu nehmen?
Megan: Mir war es wichtig, vor Ort meinen Protest zum Ausdruck zu bringen, mit zu machen, die Leute zu unterstützten, mich für das einzusetzen, an was ich glaube. Ich glaube, es ist unverantwortlich von Shell. Ich möchte meine Stimme dagegen erheben. Das geht auch von zu Hause aus, mir war es wichtig persönlich dabei zu sein. Arbeitsprinzip von Greenpeace ist die internationale Arbeit: Vor Ort da zu sein, Zeugnis abzulegen, Öffentlichkeit zu schaffen, auf das Problem aufmerksam zu machen. Und Konzernen wie Shell zu zeigen, hier sind Leute, die protestieren.

Milli: Im Hafen von Helsinki stand ein Eisbrecher, der in die Arktis aufbrechen sollte, und ihr habt versucht, den Start zu verhindern.
Megan: Wir wollten die Nordica, den Eisbrecher, der dem finnischen Staat gehört, aufhalten, in die Arktis aufzubrechen und sich der Flotte von Shell anzuschließen. Die Nordica und Fennica sind zwei Eisbrecher, die unter Vertrag genommen wurden, um Shell in den nächsten drei Jahren bei Probeölbohrungen in der Arktis zu unterstützen. Wir wollten den Eisbrecher aufhalten, weil Shell nur ein kleines Zeitfenster hat – zirka zweieinhalb Monate – um vor Ort nach Öl zu bohren.

Milli: Ist es gelungen, dass das Schiff später abfährt als geplant?
Megan: Natürlich konnten wir das Schiff nur eine Weile aufhalten. Bis die Polizei kam und das Schiff geräumt hat. Insgesamt konnten wir eine Verspätung von 10-12 Stunden erreichen, konnten aber nicht verhindern, dass es ablegt. Wir waren auch nur der Startschuss von mehreren Aktionen, die sich innerhalb von vier Tagen abgespielt haben. Ein Team hat das Schiff noch einmal auf offener See gestellt und zur Verzögerung beigetragen.

Milli: Wir haben viel über Shell gesprochen. Ihr habt euch Shell als Gegner rausgesucht. Es gibt doch sicherlich auch andere Mineralölunternehmen, die vorhaben in der Arktis zu bohren?
Megan: Shell ist die erste große internationale Ölfirma, die Pläne haben in der Arktis nach Öl zu bohren. Deshalb sind sie momentan unser erster Gegner. Sie werden aber nicht die einzigen bleiben: Sollte Shell erfolgreich sein, wird das der Beginn eines zerstörerischen Wettlaufs werden.

Milli: Vielleicht finden es einige Leute spannend bei Greenpeace mit zu machen. Wie bist du dazu gekommen, dich an Aktionen zu beteiligen?
Megan: Der beste Anlaufpunkt für Leute die Interesse haben bei Greenpeace, oder auch bei Aktionen, mit zu machen, sind Ortsgruppen. Alle, die Interesse haben, können einfach mal vorbei kommen. In Marburg treffen wir uns jeden Dienstag. Dort kann man die Arbeit von Greenpeace und der Gruppe kennen lernen. Und wenn man dann Lust hat, bei gewaltfreien, direkten Aktionen mitzumachen, bekommt man dort den Einstieg.

Milli: Danke für das Gespräch.

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