Greenpeace Gruppen in der Netzwelt

Publiziert am 28. Mai 2012 von

Greenpeace ist eine der größten Kampagnenorganisationen der Welt. Aktiv in über vierzig Ländern, hat Greenpeace in Deutschland die wahrscheinlich höchste gesellschaftliche Präsenz. Neben knapp 600.000 Fördern unterstützen viertausend Ehrenamtliche in über hundert Städten die Arbeit der Organisation.

77 Greenpeace Ortsgruppen haben einen eigenen Twitter-Account. Zirka die Hälfte twittert aktiv.

Die Kommunikation von gesellschaftlichen Akteuren verändert sich seit Jahren rasant. Ein bedeutender Teil verlagert sich ins Netz und in Netzwerke. Greenpeace Deutschland ist mit seinen Social Media-Aktivitäten eine der erfolgreichsten Umweltorganisationen im Netz und hat in der Summe die meisten Fans in Netzwerken (gefolgt vom WWF). Der deutsche Greenpeace-Blog ist im Ranking von ebuzzing auf Platz 1 der Umweltblogs. Und auch bei der Zunahme an Followern hat die Organisation die Nase vorn.

Die Social Media-Aktivitäten der 107 Greenpeace Ortsgruppen werden seltener wahrgenommen. 64 Ortsgruppen haben eine eigene Facebook-Seite (Übersicht in der Favoritenliste von Greenpeace Marburg) mit 9.513 Fans (Stand 01.05.2012). Bei Twitter sind 77 Gruppen angemeldet, allerdings sind davon nur zirka die Hälfte aktiv. Flickr, Youtube und andere Plattformen spielen eine untergeordnete Rolle.

[slideshare id=13109156&doc=greenpeacegruppenindernetzwelt-120528152736-phpapp02]Eine Gegenüberstellung mit Greenpeace Deutschland zeigt wie aktiv Ortsgruppen im Netz sind. Bei Facebook ergibt sich ein Fan-Verhältnis von 6 zu 1 (Dachorganisation vs. Gruppen). Bei Twitter sogar von 2 zu 1! Greenpeace Gruppen haben 22.881 Follower. Berücksichtigt man diese, würde sich Greenpeace Deutschland deutlich von anderen Organisationen abheben (mit etwa plus 50% an Followern). Obwohl viele Gruppen nicht mehr oder zurzeit nicht aktiv twittern, haben Gruppen erheblich mehr Tweets verschickt (22.820) als Greenpeace Deutschland (3.841). Bei Facebook erzeugen Gruppen im Schnitt eine Interaktionsrate (liken, teilen, kommentieren) von sagenhaften 13,6%. Greenpeace Deutschland liegt bei 5% – was immer noch sehr hoch ist.

Wie werden sich die Netzaktivitäten entwickeln? Gelingt es Gruppen ihre Reichweite in Netzwerken und die Wahrnehmung der eigenen Aktivtäten zu steigern? Bisher richten Gruppen ihre Kommunikation in der Regel nicht an Onlineaktive. In der Netzwelt mangelt es (folglich) an der Wahrnehmung von Gruppenaktivitäten. Dabei bieten lokale Projekte oder regionale Kampagnen viele Anknüpfungen für Netzwerkaktivitäten. Beachtet man, dass die Netzwerkkommunikation von Gruppen sich mit einfachen Mitteln verbessern ließe – bisher gibt es kaum Vernetzung untereinander (bei Facebook sind Gruppen im Schnitt nur mit 6 von 63 Gruppen befreundet), auf Internetseiten verweisen Gruppen häufig nicht auf ihre Netzwerke, usw. – könnten Gruppen in Zukunft einen gewichtigeren (Netz)Beitrag zu Erfolgen von Kampagnen beitragen.

Für Greenpeace stellen Social Media-Aktivitäten von Ortsgruppen langfristig einen Vorteil dar. Die Aktivitäten in Netzwerken führen zwar auch kurzfristig zu einer ständigen Zunahme von Anhängern. Ob dadurch langfristig die Mobilisierungskraft zunimmt, ist fragwürdig. Jede neue Facebook-Seite will Aufmerksamkeit, der Kuchen wird kleiner. Regionale Bezüge bleiben für Menschen wichtig und verschwinden in keiner Timeline. Ortsgruppen können bessere Verknüpfungen zu Zielgruppen herstellen, die Greenpeace als Dachorganisation weder online oder offline so spezifisch erreicht.

Welche Rolle spielt deiner Meinung nach in Zukunft die Onlineaktivitäten von Ehrenamtlichen und regionalen Gruppen für die Erfolge einer Organisation?

Hanno Groth

Hanno Groth

Hanno Groth schreibt für Gradmesser über Kommunikation in der Netzwelt, Geschichten aus der Zukunft und den Wandel in unserer Gesellschaft.
Hanno Groth

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