Konferenzen – Treffen für Gestalter oder Selbstdarsteller?

Publiziert am 23. März 2012 von

Die zahlreichen Konferenzen 2012 zeigen, wie aktiv junge Menschen die Gesellschaft gestalten wollen. Und wie sich dabei parallele Welten entwickeln. In diesem Jahr finden die re:publica, McPlanet, der Sustainability Summit und viele weitere Veranstaltungen statt. Die Treffen bieten ihren Besuchern zunächst eines: die Bestätigung der eigenen Überzeugungen durch Gleichgesinnte. Aber schaffen sie es auch, die Gesellschaft zu verändern? Zum 5. Mal findet in diesem Jahr McPlanet statt – nach drei Jahren Pause.

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Beim McPlanet-Kongress 2009 trafen sich über tausend Menschen in Berlin. Highlights waren Gäste wie die Aktivisten The Yes Men, die so großartig sind, dass kaum auffiel, wie wenig sie mit den Alltagsproblemen engagierter Gruppen in Deutschland gemeinsam haben. Überflüssige Podiumsdiskussionen, die an Schulzeiten erinnerten (Schüler, die der Reihe nach die erwünschte Lehrerantwort vortrugen) und die Flugblätterflut in den Gängen machten deutlich, dass für viele Teilnehmer die Selbst-Mitteilung im Vordergrund stand.

2012 dürfen beim McPlanet wieder prominente Vorbilder beklatscht werden. Kumi Naidoo, Tim Jackson und Achim Steiner stehen auf der Rednerliste. Das Ziel des Kongresses bleibt diffus. Er ist „eine Plattform, auf der man lernen und streiten, sich austauschen und informieren, alte Bekannte und neue MitstreiterInnen treffen kann. So will McPlanet.com einen Beitrag leisten für eine gerechtere und ökologisch zukunftsfähige Welt.

Ebenfalls in Berlin findet im Mai die re:publica statt. Gemeinsam mit der recampain ein Kongress, der sich nicht an das sozial-ökologische Milieu richtet, sondern an die Performer – ein Multimedia-interessiertes, multi-optionale Leistungsmilieu. Entsprechend ist sie „eine hochwertige Konferenz mit Festivalcharakter, auf der sich Communities, Vordenker, Netzaktivisten und etablierte Organisationen zum Ideen- und Erfahrungsaustausch alljährlich begegnen. Offen für alle und in der Themenwahl stets dem Zeitgeist einen Schritt voraus versteht sich die re:publica als Spiegel der digitalen Gesellschaft genauso wie als Plattform der aktiven Netzgemeinde.

Bereits abgeschlossen ist ein Nachhaltigkeitsevent der Wissenschaft. Der Sustainability Summit fand Anfang März in Lüneburg mit dem Ziel statt, transdisziplinäre Ansätze für eine Nachhaltige Entwicklung zu besprechen.

So unterschiedlich die Veranstaltungen sind, sie ähneln sich in einigen Dingen. Ihre Ziele bleiben allgemein und sind in ihren globalen Ansprüchen kaum überprüfbar. Es werden Vorbilder eingeladen, die motivieren (vielleicht legitimieren) sollen. Man grenzt sich von anderen sozialen Milieus ab, durch Eintrittskosten, die Wahl der Kommunikationsmedien oder die Themen- und Methodenauswahl. Jede Gruppe hat ihre sozialen Anerkennungssymbole, die bei den Konferenzen eine Rolle spielen. Zum Beispiel Social Media-Aktivitäten, Veröffentlichungen, Teilnahme an Aktionen, Lebensstile.

Bei den ganzen Ritualen, gelingt es da noch etwas zu bewegen? Insbesondere da viele Kampagnenorganisationen beteiligt sind, verwundert, warum die Ziele der Konferenzen selbst so vage bleiben, warum kaum Chancen entwickelt werden, eigene Schwachstellen zu beseitigen und Synergien zu finden. Warum die soziale Abgrenzung? Neue Ideen entstehen häufig an Schnittstellen zweier Netzwerke. Veranstaltungsformate wie die Socialbar, das Wirkcamp oder Transition Towns machen vor, wie gesellschaftlicher Wandel methodisch gestalten werden kann. Sind da Konferenz-Formate noch zeitgemäß?

Was sind deine Erfahrung mit Konferenzen? Überflüssige Selbstbeweihräucherung oder eine effektive Möglichkeit, die Welt zu verbessern?

Hanno Groth

Hanno Groth

Hanno Groth schreibt für Gradmesser über Kommunikation in der Netzwelt, Geschichten aus der Zukunft und den Wandel in unserer Gesellschaft.
Hanno Groth