Engagement und Neue Medien in Marburg

Publiziert am 25. Februar 2012 von

Marburg engagiert sich. Etwa 50 Gruppen und Einrichtungen bereichern das ökologische, kulturelle und soziale Leben der Stadt. Kaum eine andere Region in Hessen hat eine ähnliche Dichte engagierter Menschen. Trotz allem – vielleicht sogar aus dem Grund – klagen zahlreiche Gruppen über eine geringe Wahrnehmung der eigenen Aktivitäten durch jene Menschen, die sie gerne erreichen möchten. Wie schaut’s also aus mit Vernetzung? Wer nutzt welche Neuen Medien zur Kommunikation?

[slideshare id=11744674&doc=socialbar-engagementsocialmediainmarburg-120225044445-phpapp01] Bei der ersten Marburger Socialbar standen diese Fragen im Mittelpunkt. Wir haben 43 Gruppen eingeladen. 10 dieser Gruppen setzten sich für Umweltschutz, 9 für Kultur & Bildung, 12 für Entwicklung, Globalisierung & Fairen Handel und 7 für Soziales & Menschenrechte ein. Hinzu kommen engagierte Unigruppen (3) und mit dem Radio Unerhört Marburg ein freier Radiosender.

Von den 43 Gruppen nutzen 42% Facebook und 21% sind bei Twitter. Vier Gruppen nutzen sogar die Videoplattformen Vimeo oder YouTube. Zum Beispiel finden sich Trailer zu Stücken des Landestheaters bei Vimeo. Andere Neue Medien wie Flickr, Issuu, Karten oder Xing werden weniger häufig  verwendet. Nur das Landestheater und Greenpeace nutzen aktiv mehr als zwei Social Media-Plattformen.

Marburger Gruppen bei Facebook

Facebook ist das beliebteste Neue Medium bei Gruppen in Marburg. 42% nutzen die Plattform. Am meisten besucht werden die Seiten von Kulturveranstaltern.

Kulturveranstalter sind am besten vernetzt. Durch häufige Neuigkeiten (Posts, Veranstaltungen, Bilder, Kommentare) auf Facebook-Seiten tun sie auch etwas für ihre Fans. Die fünf beliebtesten Facebook-Seite sind von Kulturveranstaltern (KFZ, Trauma, Waggonhalle, Landestheater und Trauma Kino). Gruppen, die sich für Umweltschutz oder Entwicklung und Menschenrechte einsetzen, nutzen selbst Facebook nur mit geringer Frequenz oder gar nicht.

Düster sieht es bei Twitter aus. Das Mikroblog nutz(t)en nicht nur weniger als Facebook – nämlich nur jede fünfte Gruppe. Die Hälfte hat das Twittern auch schon wieder eingestellt. Schade! Am Beispiel Twitter zeigt sich ein wesentliches Missverständnis in der Nutzung Neuer Medien: Sie werden häufig als weitere Sende-Kanäle missverstanden, die analog dem klassischen Mailverteiler einseitig bedient werden können.

Dass Neue Medien vom Sender auch das Zuhören abverlangen, eine Interaktion mit anderen fordern und eine Unterscheidung zwischen eigenen und Interessen von Fans & Followern beinhalten, ist von wenigen verinnerlicht. Versteht man Neue Medien jedoch als vielseitigen Kommunikationsweg, ergeben sich spannende Möglichkeiten neue „Freunde“ zu finden und Initiativen und Projekten vital weiter zu entwickeln.

Hanno Groth

Hanno Groth

Hanno Groth schreibt für Gradmesser über Kommunikation in der Netzwelt, Geschichten aus der Zukunft und den Wandel in unserer Gesellschaft.
Hanno Groth